Montag, April 07, 2008

3 Jahre später...



... kehre ich endlich wieder nach Brasilien zurück. Diesmal für ein halbes Jahr und statt Rio de Janeiro wird nun Sao Paulo meine Hauptstation sein. Bin mal gespannt, was sich hier in der Zwischenzeit alles verändert hat. Oder was irgendwie schon immer da war, mir aber erst jetzt auffällt.

Samstag, Mai 21, 2005

Jetzt bleib ich erstmal für ne Weile...

Also dieser Post war schon längst überfällig, um auch den letzten noch in Kenntnis zu setzten... meine Zeit in Rio ist vorerst vorbei, ich bin wieder in Berlin und werd hier auch erstmal für ne Weile bleiben. Muss mich jetzt wieder in den Unialltag stürzen und kann den Berliner Frühling geniessen...

Hah! Theoretisch, denn die Berliner Luft hatte nicht nur ne Ladung voller Pollen für mich parat sondern ich kann mich auch mit Viren auseinandersetzen, die alle Eingewöhnungsvorhaben erstmal so richtig schön vergurkt haben. Tja, das ganze mit dem dem Husten, Niesen und Entzünden ging dann soweit, dass ich ins Krankenhaus musste und mir die Mandeln rausoperiert wurden. Nach einer Woche Krankenhaus gehts mir jetzt zwar schon einigermassen gut, kann leider aber immer noch nicht am normalen Leben teilnehmen, weil das mit dem Heilungsprozess so eine langwierige Sache ist... grummel!
Aber was solls, das mit dem zuhause fühlen wird schon irgendwann - auch ohne Karneval der Kulturen und Willkommensparties.

Dienstag, April 19, 2005

Ein Deutscher!

Das wird jetzt schon der zweite Post sein, in dem ich den Papst erwähne. Aber aus gegebenen Anlass des neuen Papstes aus Deutschland ist das hoffentlich entschuldbar. Irgendwie kamen grad unglaublich viele Leute ins Büro bei der Handelskammer gestümt und mussten ihre Begeisterung über die Wahl bei uns zum Ausdruck bringen. Ich bin ja mal gespannt, was da jetzt in der nächsten Zeit noch alles kommen wird, sobald ich erwähne, dass ich Deutscher bin. Bisher hiess es hier immer "Oh, die Fussballweltmeisterschaft ist nächstes Jahr in Deutschland!", jetzt wird wohl eher das Papst-Thema aufgeworfen. Und dann folgt wie heute schon sicherlich die unweigerliche Frage, welche Religion ich habe... okay, wenn ich sage, dass ich keine habe, dann schau ich meist in sehr erschrockene Gesichter. Also muss ich jetzt kreativ werden und Techniken entwickeln, die direkt vom Thema ablenken? Mal sehen...

Montag, April 18, 2005

Barfuss durch Rio

Prima prima, so kurz vor dem Ende meiner Zeit in Brasilien hat jetzt doch noch die Kriminalität zugeschlagen und ich wurde Opfer des perfekten Verbrechens... ich wurde meiner Flipflops beraubt!!! Der aufmerksame Leser wird sich vielleicht noch dran erinnern, wie schwer es mir letztes Jahr fiel sie ins Herz zu schliessen und mich an die Fortbewegungen mit ihnen zu gewöhnen. Mittlerweile hat sich mein Fuss an die Form aber so gewöhnt, dass auch ich diese Strandsandalen als mehr oder weniger bequem empfinde. Wie dem auch sei, jetzt sind sie weg!
Wie konnte das passieren? Es war ein heisser Sonnabend, also eine gute Gelegenheit um den Tag am Strand zu verbringen. Soviele Leute wie an diesem Tag hatte ich noch nie in Ìpanema gesehen... kurzum, die ideale Gelegenheit sich unbemerkt an herumliegenden Gegenständen anderer Leute zu bedienen. Wenn ihr euch jetzt fragt wer zum Henker denn SANDALEN klaut, dann gehts euch wie mir am Anfang. Hier hat doch jeder Sandalen! Warum denn klauen??? Und teuer sind sie auch nicht mal... Aber ich musste mir sagen lassen, dass prinzipiell am Strand ALLES geklaut wird, egal wie belanglos es ist. Sogar Strandtücher oder Zeitungen. Solange man noch zwei oder drei Reais beim Verkauf damit verdienen kann, ist es klaubar. Es war am Abend dann zumindest auch interessant barfuss durch die Strassen zu laufen und nach einem neuen Paar Sandalen zu suchen. Da musste ich auch einmal die Erfahrung machen, dass ich barfuss nicht in einen Schuhladen durfte. Da stell sich das mal einer vor! In der Situation, wo man wirklich einen Schuhladen braucht, kann man ihn nicht betreten! Habe dann darum gebeten mir diverse Sandalen zu bringen und mir draussen zu zeigen, allerdings nicht mit der Absicht sie zu kaufen sondern nur, um diese Schuladenschnösel zu ärgern und die Rache des vergrämten Kunden spühren zu lassen. Haben sie dann wirklich auch gemacht. 10 Minuten war mir dieser Spass wert ;-)
Die eigentliche Ironie des beklaut werdens an diesem Tag war aber, dass ich - bevor ich zum Strand ging - im Fahrstuhl 10 Reais gefunden habe. Da sieht man mal wieder, irgendwie gleicht sich doch immer alles aus...

Freitag, April 15, 2005

Blondinen aus Brasilien

Hab ja gestern nicht schlecht gestaunt, als ich nach dem Ende der Telenovela noch durch die Sender gezappt bin und da auf einmal der MISS BRAZIL Ausscheid lief. Jaaaa, live aus dem Copacabana Palace! Übertragen vom Sender "Band" (sprich bundji), der für unsagbar schlechte Shows bekannt ist. War ich gespannt auf die schönsten Frauen des Landes! Das Ergebnis war dann aber leider sehr ernüchternd. Ich will ja nicht überkritisch mit dem Äusseren der Finalistinnen sein, aber auf der Strasse, im Bus, im Supermarkt... und vor allem am Strand kann man bei weitem attraktivere Damen sehen. Wie auch immer, der Wettbewerb war knallhart. Verkrampftes Dauerlächeln, die Meinung zum verstorbenen Papst kundtun, auf und ab laufen, Blumen halten... eine Bikini-Session gabs fürs prüde Brasilien aber nicht.
Miss Brazil ist letztlich Miss Santa Catarina geworden, aus dem Süden Brasiliens. Sie ist blond, hat blaue Augen... und entspricht durch diese exotische Erscheinungsweise voll dem Modelbild hier. Tja, ist leider mal wieder nicht das, was man sich im Rest der Welt von einer feschen Brasilianerin vorstellt. Miss Bahia oder Miss Amazônia hätten da eher schon ins Bild gepasst und sie waren eigentlich meine Favoritinnen. Aber ich gönne der neuen Miss Brazil ihren Sieg, sie hat sich als einzige getraut nicht lauter Nettigkeiten über Johannes Paul II zu verlieren, sondern eine energiegeladene Rede aus dem Hut zu zaubern, die mit dem verblichenen Papst recht hart ins Gericht ging. Auf dass ihr in ein paar Jahren eine grossartige Karriere in der Politik bevorsteht, blonde Frauen schaffen es nämlich auch dort sehr leicht um an Posten zu kommen.

Freitag, April 01, 2005

Waschen, legen, fönen...

26 Jahre gings ohne, jetzt musste ich es doch tun. Mir graute es allein beim Gedanken daran, wieviel lieber würde ich stattdessen ein paar mal zum Zahnarzt gehen. Aber gut, Augen zu und durch, irgendwann hilfts einfach nicht mehr... ich war beim Friseur! Und wieder einmal mache ich aus einer kleinen fitzeligen Sache ein Riesendrama, wa? Also für mich wars echt schon komisch, weil ich bisher noch nie beim Friseur war sonders dank des Talentes meiner Mutter immer so gestutzt wurde. Nun ist sie aber leider nicht hier und da musste ich eine Dienstleistung nutzen, die für die meisten Leute ganz selbstverständlich ist, für mich aber absolutes neues Terrain. Wie sag ich am besten wie ich es haben will auf portugiesisch? Ich weiss ja noch nicht mal, auf welche Kommados ein deutscher Friseur hört! Also hab ich es mal mit dem selben unkonkreten Kauderwelsch versucht, mit dem sich meine Mutter immer an die Arbeit macht, ungefähr... "irgendwie kürzer und vorne hinten als höher"... naja, ging dann auch einigermassen gut aus.
Was mich ja am meisten an der Friseurszunft stört sind die unverschämt hohen Preisforderungen. In Brasilien sind die Preise glücklicherweise nicht annähernd so astronomisch, obwohl ich auch schon eher das Luxuspaket und sicher auch einen Gringo-Aufschlag bekommen habe. Mit Schneiden und rasieren und Shampoo waren es 5 Euro... es gibt aber auch Orte, wo man das ganze schon 2 Euro bekommen kann. Aber egal, jetzt ist es geschafft, ich bin um eine Erfahrung reicher, so schlimm war es nicht, traue mir zu es wieder zu machen, muss ich aber hoffentlich nicht so bald ;-)

Freitag, März 25, 2005

Frohe Ostern!

In den Supermärkten ist mir in den letzten Wochen eine Sache besonders aufgefallen: Schokoladenostereier!!! Jeder Supermarkt war bestückt von Millionen dieser Dinger, es gab sie von allen möglichen Schokoladenmarken in diversen Grössen. Und ich übertreibe nicht, es sind Millionen! 100 Millionen dieser meist riesigen Schokoeier wurden dieses Jahr produziert. Selbst im Schokoland Deutschland ist mir so eine Wucht an Schokolade noch nicht untergekommen. Wenn auch nur die Hälfte dieser ganzen Eier aufgefuttert wird, dann hat das Land aber ein erhebliches Gewichtsproblem. Ich bin sehr gespannt, wie es sich entwickelt, ich rechne auf jeden Fall erstmal mit Schokoldeneiern zu jeder Malzeit... und nichts anderem. Keine bunten selbstbemalten Hühnereier und keine Schokohasen. Nix, nix, nix, nur Schokoeier!!! Ist komisch, kann ich aber auch mit leben, hehe...

Lenny! Lenny! Lenny!

Was würde passieren, wenn Lenny Kravitz am Wannsee ein kostenloses Konzert geben würde? Naja, ich schätze mal unkontrolliertes Chaos und sehr viel Hysterie. Okay, und was würde passieren, wenn in Rio am Strand von Copacabana dieses Konzert stattfinden würde? Hmm... lest hier die ganze wahre Geschichte:
Zuerst muss ich wohl erwähnen, dass Lenny Kravitz in Brasilien nahezu unbekannt ist. Vielleicht hat es mal ein Song von ihm in die Radios oder Clubs geschafft, damit hat es sich dann aber auch. Wie dem auch sei, die Medien haben es geschafft, aus dem kostenlosen Strandkonzert zumindest ein tolles Thema für Smalltalk zu machen. Allerdings jemanden zu finden, der an diesem Abend mitkommen würde, war wieder ein Beispiel an kollektiver Unentschlossenheit, wie sie mir hier schon so oft aufgefallen ist. Was ich durch Gespräche mit Leute herausgefunden habe: ein gutes Argument hinzugehen: alle sprechen drüber, vielleicht ist es ja toll. Gute Argumente nicht hinzugehen: am nächsten Tag ist ein normaler Arbeitstag, es ist zu weit weg, es kommen nur Leute aus den Favelas dort hin und wir werden mit Sicherheit beklaut, es ist zu voll, ich kenne Lenny Kravitz gar nicht, es wird vielleicht regnen...
Also gut, viele Argumente nicht hinzugehen. Und als es dann auch tatsächlich begonnen hat zu regnen, da hab ich mir schon gedacht, dass ich mit ein paar Touristen und den Leuten aus den Favelas alleine vor der Bühne stehen werde. Aber die Brasilianer sind sehr gut darin, sich ganz spontan trotz aller Gegenargumente doch noch zu etwas hinreissen zu lassen. Ursprünglich sollte das Konzert um 20 Uhr anfangen, aber da war es noch nicht wirklich voll am Strand. Um 22 Uhr allerdings (nachdem man sich durch diverse Telefonkonferenzen doch noch aufgerappelt hatte), konnte man kaum mehr treten, und das war dann auch die Zeit, wo Herr Kravitz endlich (sicher mit etwas Erleichterung) auf die Bühne getreten ist... das Konzert war letztlich sehr genial, auch wenn das Publikum keine der Songs mitsingen konnte, keine Zugaben gefordert wurden (die aber trotzdem kamen, hehe) und auch etwas mit Applaus gespart hat. Am Ende wars ein schöner Abend und wer hätte es gedacht, Tote gabs keine und beklaut und überfallen wurde ich auch nicht.