Live dabei
Der Karneval ist überstanden. Zum Finale des ganzen war ich letzten Sonnabend im Sambódromo, wo sich die besten 6 Sambaschulen mit ihrer Show noch einmal präsentiert haben. Woowww, ich muss gestehen, daß es echt der Hammer war. Jaja, im Fernsehen und auf Bildern sieht es ja immer schon ganz nett aus, aber erstmal live an der Parade zu sein haut alles um! Der Eindruck ist vielleicht vergleichbar mit Stadionatmospäre oder Live-Konzerten, die wirken im Fernsehen ja auch immer anders als wenn man mittendrin ist.
Gut, für schweren Herzens ausgegebene R$100 (29 Euro), habe ich einen Platz auf den Arquibancadas gehabt, was sowas wie Betontreppen sind, auf denen man aber auch sitzen kann. War nicht allzuweit von der Parade weg, wenn es "Kamelle Kamelle" gegeben hätte, wären sie bis zu mir aber nicht mehr gekommen. Hat aber trotzdem für gute Photos gereicht. Die Parade selbst war eine Flut aus Farben und Effekten. Und wer die Brasilianer für faul hält, der wird hier definitiv eines besseren belehrt. Der Aufwand mit den Wagen, den Kostümen und auch den Choregrafien ist beachtlich und man sieht, dass Leute da unfassbar viel Zeit und Energie reingesteckt haben, um alles auf die Beine zu stellen.
Die Show ging dann geschlagene 7 Stunden, einige Zuschauer haben schon nach der Hälfte der Zeit die Segel gestrichen und sind nach hause gegangen oder einfach eingeschlafen. Ich hab es aber ganz gut ausgehalten und ehrlich gesagt ist mir auch schleierhaft, wie man bei dem Krach schlafen kann. Jede Sambaschule hat nämlich erstmal mit einem beachtlichen Feuerwerk angefangen, dann wurde die Hymne der Schule richtig schon laut aufgedreht und für eine gute Stunde ununterbrochen gespielt. Eigentlich kann man da gar nicht sitzenbleiben oder gar pennen!
Sooo, und jetzt zur meist gestellten Frage aus der Zuschauerpost. Ich habe nicht (soviele) Bilder von den nackten Tänzerinnen gemacht, weil schlicht und ergreifend nicht soviele da waren. Unerhört! Warum sieht man dann auf den Karnevalsbildern aus Rio immer nackte Haut??? Was für ein Beschiss am Touristen, der nen wandelnden Playboy erwartet! Ruhig, ruhig, natürlich gibt es beim Karneval viele Kostüme, die sehr freizügig geschnitten sind. Die prämierten Sambaschulen haben sich damit aber zurückgehalten, die anderen hatten durchaus auf sex-sells gesetzt, waren aber dummerweise an diesem Abend nicht mehr dabei. Sich offen bei der Karnevalsparade zu präsentieren gilt immer noch als möglicher Karriereweg ins Modelbusiness oder zumindest in die "Erwachsenenunterhaltung". Wer als Beauty also Interesse hat, der muss der Sambaschule erstmal einen stolzen Geldbetrag zukommenlassen um sich einen Platz auf /neben dem Wagen und das Kostüm zu erkaufen. Böse Mäuler reden auch von einer "Besetzungscouch", die im Vorfeld als Casting erstmal besucht werden muss. Naja, jedenfalls schaffen es dann doch einige Mädels von der Parade in den Playboy und kommen zu Ruhm. Fragt mal einen Brasilianer, erst werden sie sagen, "Neiiiiin, soviele sind es gar nicht", danach werden sie aber mindestens 20 Namen runterbeten, die es doch in den letzten Jahren geschafft haben.
Wie auch immer, Karneval war ne schöne Zeit hier. Aber Samba hängt mir jetzt echt zum Hals raus! Ich kann es nicht mehr hören. Glücklicherweise hat Brasilien aber eine so große Vielfalt an unterschiedlichen Musikrichtungen, daß ich auch gar nicht in die Verlegenheit komme, dem Samba irgendwie in der nächsten Zeit wieder zu begegnen :-D

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