Carnavaaaaaaaaaal!!!
So, jetzt hat er nun endlich richtig angefangen, der Karneval in Rio. Eigentlich merkt man es schon in seit den letzten drei Wochen, dass das Ereignis des Jahres in dieser Stadt immer näher rückt. Nahezu jeden Tag war irgendwo in der Stadt eine kleine Sambaparade, ein sogenannter Bloco. Blocos sind eine witzige Sache, weil sie sich aus Leuten zusammensetzen, die sich irgendwie gefunden haben um zusammen Musik zu machen und zu tanzen. Das können Nachbarn aus einem Bezirk sein, Berufsgruppen, Studenten, Schwule und Lesben... ja, die Auswahl ist riesengross. Manchmal sind diese Blocos auch schon sehr lange dabei und traditionell. Stars in der Stadt sind zum Beispiel eine Gruppe älterer Herren, die sich vor 50 Jahren das erste mal zu einem Bloco zusammengetan haben uns seit dem in fast vollständiger Besetzung immer den Karneval in Ipanema feiern. Bei jedem Bloco immer dabei: Ein Truck mit fetter Soundanlage, junge Menschen die drauf rumtanzen und Leute, die Musik spielen. Jaaaaa, meistens ist die Musik live! Ein echt guter Sound. Und dann kommen noch ein paar Leute von der Seite mit einer Trommel an, oder Pandeiro, oder Coladosen... und dann wird der Sound noch genialer. Dann laufen die T-Shirt Verkäufer mit und unzählige wilde Verkäufer mit Kühlkisten voller Bier. Und hinter denen laufen die Leute, die die Bierbüchsen wieder einsammeln um sich damit etwas Geld dazu zu verdienen.
Je länger man bei einem Bloco mitläuft, desto feuchter wirds unter den Füssen. Neeeee, kein Fussschweiss vom tanzen! Schau mal ein paar Beiträge höher, hier läuft man in Strandlatschen rum! Was da trotz trockenem Wetters die Strassen dezent befeuchtet ist nichts anderes als das Resultat ununterbrochenen Bierkonsums. Liebe Leute, wer irgendwie an die belebende Wirkung von Urin glaubt, der kann hier zumindest mit der Natursekt-Kneipp-Kur beginnen :-D
Ungelogen, nach guten zwei Stunden hält es etliche Leute nicht mehr und dann wird die Blase geleert. Gut gut gut, es sind nur die Herren, die das machen. Ihr könnt also eure hohe Meinung über die brasilianischen Mädchen behalten. Jedenfalls wird in noch nicht komplettem Zustand der Besoffenheit zur Mauer gewandt gepisst, aber wenn dann doch die Unzurechenbarkeit eingetreten ist, dann Richtung Parade. Halleluja! Love Parade lässt grüssen.
Aber was solls, Strassenkarneval macht hier trotzdem Spass, allein schon wegen der guten Musik und der gutgelaunten Leuten, die auf würdevolle Art und Weise besoffen sind (von oberen Absatz mal abgesehen). Die grossen farbenfrohen Paraden, wo die Sambaschulen die Arbeit von einem Jahr zeigen, sind eine andere Sache. Dafür muss man ins Sambódromo fahren und richtig viel Eintritt bezahlen. Ich gehe am 12. Februar hin, also schon nach dem Karneval aber zum grossen Höhepunkt, wo die ausgezeichneten Sambaschulen nochmal auftreten. Der Stehplatz kostet 100 R$, was ungefähr 30 Euro sind. Okay, in Europa kennen wir noch ganz andere Preise, aber hier ist das verdammt teuer. Zum Vergleich, der Konzertbesuch einer bekannten brasilianschen Band kostet um die 5 Euro. Also ist das Sambódromo eher was für Touristen und von denen wimmelt es gerade hier wie noch nie. Ja, jetzt kann man sich wieder auf englisch mit den Leuten auf der Strasse unterhalten...
Was mich aber besonders froh macht hier zu sein ist die Tasache, nicht einmal bisher ein Bild vom deutschen Schunkelkarneval gesehen zu haben. Ohhhh, und ich rechne ganz fest damit, dass mir auch Bilder von den Paraden in Köln (Kamelle, Kamelle) und Düsseldorf erspart bleiben. Dahingegen ist das alles hier in Rio auch gut für die Vorfreude auf den Berliner Karneval der Kulturen im Mai... der kann im Vergleich zu den Sachen hier locker mithalten.

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