Busfahren in Rio
Transportmittel Nummer 1 in Rio ist der Bus. Wenn man hier an einer halbwegs belebten Strasse steht, dann kommen gleich 20 Busse pro Minute an einem vorbei... oh, was für ein Traum für jemanden, der aus einer BVG kontrollierten Stadt kommt. Aber halt! Welchen davon kann man nehmen? Wo fahren diese Busse hin? Wie lange dauert es damit um ans Ziel zu kommen? Wann kommt der Bus, den ich brauche? Normalerweise würde ein kleiner Routenplan helfen, aber sowas gibt es nicht. Einzige Chance um rauszukriegen wo es hin geht ist die Hinweistafel am Bus. Wenn die Busse aber mit 70 Sachen in der zweiten Spur an einem vorbeirasen und nur zu einem kommen, wenn man sie ranwinkt, dann kann das schon etwas Konzentration erfordern. Naja, im Lonely Planet steht, dass man sich im Zweifel einfach reinsetzen soll, irgendwie fahren sie alle die selben Gegenden ab. Okay, ich verlasse mich doch lieber nicht auf mein Glueck und starre weiter auf die Schilder. Aber auch hier kann man schön verarscht werden. Ein Beispiel meines kleinen Missgeschicks am 3. Tag in Rio: ich will morgens ins AIESEC Büro an der UFRJ (Universidade Federal do Rio de Janeiro) fahren. Ich weiss, dass mein Weg über Ipanema, Copacabana und Botafogo führt. Genau diese Kombination steht auch am Bus, selbst UFRJ ist angezeigt. Perfekt! So schwer ist es ja doch nicht. Nach einer guten Stunde Busfahrt wundere ich mich aber schon über die Gegend und frage den Ticketverkäufer (so einer sitzt neben dem Fahrer auch in jedem Bus) in mehr oder weniger gutem Portugiesisch, ob das denn noch der Weg zur UFRJ sei. Nicken und grinsen von dem Typen lassen mich in Sicherheit wägen. Nach einer knappen weiteren Stunde und einem deutlichen sozialen Abstieg der Gegend wurde ich dann aber doch misstrauisch und auf meinem Stadtplan deutete es sich gar nicht mehr an, als dass der Bus an meine Uni fahren wurde. Als ich den Ticketmenschen nochmal frage, stellt er auf einmal fest, dass ich nicht im richtigen Bus bin und es doch jetzt ein guter Zeitpunkt waere auszusteigen. Wie schön. Und somit war ich ausgesetzt in Maracaná. Hier gibts das grösste Fussballstadium der Welt, alles andere verdient aber keine Superlative. Die Häuser sahen schon sehr mitgenommen aus und es waren kaum Menschen auf der Strasse zu sehen. Hab ein paar Tage vorher auch nichts gutes hierrüeber im Tagesspiegel gelesen. Argh! So leicht mulmig war mir nu doch schon. Glücklicherweise war gleich eine U-Bahn Station in der Nähe und ich musste nicht wieder nach einem passenden Bus suchen um schnell von hier wegzukommen...
Aber wie konnte ich nur hier herkommen? War ich zu dumm zum Schilder lesen? Nicht ganz, denn auf dem nach unten verrutschten Schild stand nicht UFRJ sondern UERJ -- hey, das ist ne andere Uni! Prima, prima, wieder was dazugerlernt.
Wenn es eine Berufsgruppe gibt, auf die die Leute hier am meisten schimpfen, dann sind es die Leute im Bus. Vor allem diese Ticketmenschen sind extrem wegen iher Unfähigkeit verrufen. Sie geben keine richtigen Auskünfte und stimmt das Wechselgeld nicht - wenn sie überhaupt wechseln. Obwohl ich ja jetzt auch von so einem hinters Licht geführt wurde, so beneide ich sie aber nicht um ihre doch sehr stumpfsinnige Arbeit. Nach 10 Stunden rumfahren im Bus und nervigstem Verkehr würde ich aber auch nicht mehr klar denken oder freundlich bleiben können. Die Busfahrer hingegen bewundere ich allerdings sehr! Sie sehen aus weitester Enterfernung, wenn sie jemand ranwinkt, treten blitzschnell auf die Bremse, halten an, wenn die Leute weitab einer Haltestelle an die Tür klopfen um zuzusteigen. In Berlin könnten sich die Rentner ihren Krückstock an der Tür zerdeppern, die Fahrer würden keine Anstalten machen um aufzumachen. Aber hier funktionert das ganz gut. So mies der Service einerseits mit der Orientierung ist, umso besser ist er jedoch, wenn man mitgenommen werden will.

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