Die ersten 48 Stunden
Soo, jetzt bin ich also gelandet.
Und mit meiner Ankunft hab ich auch schon was ueber das brasilienische Zeitverstaendnis gerlernt. Nein, nein, die sind nicht immer zu spaet dran sondern tatsaechlich auch mal zu frueh. Mein Flug sollte laut Plan um 6.00 Uhr in Rio ankommen, tatsaechlich kam er aber schon um 4.45 Uhr an. Der Varig-Pilot hat da echt auf die Tube gedrueckt und natuerlich waren meine Abholer so frueh noch nicht da. Auf der Anzeigetafel ist mir aufgefallen, dass fast ausnahmslos alle Fluege viel frueher ankamen als geplant - ausser natuerlich der guten deutschen Lufthansa, die es fast auf die Minute puenktlich geschafft hat.
Wenn man abfliegt, dann vergisst man ja auch ganz gern mal was. Kaum zu glauben, ich mache da ueberhaupt keine Ausnahme. Irgendwie muss ich die Geschichte mit der Zeitvorstellung dermassen verinnerlicht haben, dass ich Depp doch glatt eine Uhr vergessen habe. Normalerweise trage ich ja keine Armbanduhren, weil ich zum Zeit ablesen immer mein Handy oder den Pager benutze, dummerweise hab ich diese Dinger aber nicht mitgenommen. Zwar gibts in der Stadt an jeder Strassenecke eine Uhr (haette ich auch nicht gedacht), aber ganz darauf verzichten sowas am Mann zu haben wollte ich auch nicht. Ich hab mir dann am Abend fuer 3 Euro eine garantiert echte schweizer Markenuhr bei einem Strassenhaendler gekauft, mal sehen wie lange die es machen wird.
Die ersten Eindruecke von Rio sind aber ueberwaeltigend. Landschaftlich liegt die Stadt wirklich in einer einmnaligen Landschaft. Malerische Berge und Traumstraende. Jaja, und an die Straende bin ich dann gleich schon am Vormittag gefuehrt worden. Ist auch nicht allzu schwer, weil es in Rio irgendwie nie sehr weit bis zum Strand ist und ich auch direkt an einem wohne. Obwohl der vor der Tuer sehr schoen ist, hat man mich gleich zu den beruehmten Copacabana und Ipanema gebracht. Alle haben gemeinsam, dass sich dort sehr viele Menschen aufhalten, aber eine angenehm entspannte Atmosphaere herrscht. Auf den Wegen ist jede Menge wildes Markttreiben. Man kann sich leckere Kokusnuesse aufschneiden lassen und daraus schluerfen, alle moeglichen gegrillten Sachen holen und selbstverstaenlich auch saemtliche Utensilien fuer den Strandbesuch besorgen. Die Verkaeufer haben eine recht aggressive Art um Kunden zu werben und ich bin da als 'Gringo' (Ortsfremde mit vornehmer Blaesse) ein ganz besonderes Ziel. Muss also noch etwas an meinem Teint arbeiten, mir Flipflops kaufen und freakig bunte T-Shirts holen um vielleicht etwas mehr Ruhe zu haben ;-)
Ich bin bei Luciana (einer AIESECerin) und ihrer Familie untergekommen, die im Stadtteil Flamengo wohnt. Das ist ein relativ junger Stadtteil mit bis zu 20-geschossigen Apartmenthaeusern. Die Strassen sind recht eng, aber durchzogen von Palmen und jeder Menge Pflanzen, die es gemuetlich aussehen lassen. Hier gibts viele kleine Laeden und Restaurants und deswegen sind die Strassen auch bis spaet in die Nacht sehr belebt. Dennoch ist jeder Hauseingang extrem gesichert. Erst ist alles vergittert, dann muss man durch einen kleinen Vorraum und kommt an eine massive Tuer, die vom Wachmann geoeffnet wird und bei dem man sich identifizieren muss. Rio hat eben doch ein groesseres Problem mit Kriminalitaet und die etwas besser situierten Leute schuetzen sich entsprechend. Fuer Autofahrer gilt, dass sie ab Mitternacht nicht mehr die Ampeln beachten brauchen und einfach durchrasen koennen, wenn sie auf Rot stehen. Man sollte es hier auch vermeiden, Geld offen zu zeigen. Also nicht mal an der Bushaltestelle sein Kleingeld oder Geldboerse rauskramen, sondern erst warten, bis man im Bus drin ist und es dann rausholen. Ne Geldboerse am besten ueberhaupt nicht mitnehmen, sondern nur etwas Bargeld oder die Kreditkarte in eine Hostentasche stecken. Man sollte sich besser auch nicht anmerken lassen, dass man fremd in einer Gegend ist. Also nicht den fetten Stadtplan rausholen und suchen, sondern damit lieber in einen Supermarkt oder Restaurant gehen und ihn da studieren. Das sind natuerlich fuer Deutschland sehr ungewoehnliche Sicherheitsmassnahmen, aber ich hab mich ja schon vor der Reise damit abgefunden, dass hier wegen der krassen Unterschiede von arm und reich etwas mehr aufgepasst werden sollte.
Nachdem es gestern recht intensiv mit der Stadtfuehrung losging, habe ich heute mal einen etwas fauleren Tag eingelegt und fast die ganze Zeit am Strand von Ipanema verbracht. Abends gab es an der Uni noch ein Konzert von verschiedenen Studentenbands und so hab ich mal einen sehr genialen ersten Eindruck vom Brazilian Rock bekommen. Irgendwie habe ich mir eingebildet, dass das Publikum hier nicht ganz so traege wie in Konzerten in Berlin waere, aber ich habe mich geirrt. Auch hier stehen die Leute stocksteif in der ersten Reihe und sehen sich ohne jede Reaktion an, wie sich die Musiker abrackern. Und am Ende gibt es auch nur zoegernden Applaus. Komisch, wenn man es so betrachten will, dann haben die Deutschen anscheinend brasilianisches Flair. Oder die Leute sind hier einfach noch in einer Winterletargie ;-) Aber vom Wetter rede ich ein anderes mal...

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